Am zweiten Augustwochenende fand in Travemünde bei strahlendem Sonnenschein die jährliche
Mövenstein-Regatta statt, die vom Lübecker Yachtclub ausgerichtet wurde. Diese Regatta hat sich
in den letzten Jahren als freundliche und entspannte Veranstaltung an der Ostsee etabliert. Da die
Sommerregatta naturgemäß mitten in Schulferien fällt, scheiterten leider einige der üblichen
Teilnehmer an der Aufgabe, einen Konflikt mit ihren Familienurlaubsplänen zu vermeiden.
Das Rennprogramm sah maximal acht Rennen über das Wochenende auf einer gemeinsamen
Regattastrecke mit der Formel 18, den A-Cats und den International 14 vor. Angesichts der
beobachteten Zunahme der International 14 bei dieser Veranstaltung besteht Sorge, dass Turbo
Tarboton eines Tages mit dem „falschen“ Boot hier auftauchen könnte.
Der weitläufige LYC-Bootspark, der im Gegensatz zum restlichen, ausgedörrten Europa
erstaunlicherweise noch üppig grünes Gras aufwies, bot eine großartige Campingatmosphäre zum
Entspannen vor und nach dem Segeln.
Als die Regatta am Samstagnachmittag endlich in Gang kam – nach einer langen Wartezeit auf die
versprochene Brise wurden drei Rennen gesegelt –, schien sich ein neues Phänomen
durchzusetzen. Greta Müller hatte, ganz im Stil einer entspannten Teenagerin, noch nicht einmal
damit begonnen, ihr Boot aufzuriggen, als die Musto-Skiff-Flotte die Slipanlage verließ. Doch an
der obersten Boje des ersten Rennens (und dann wiederholt in vielen anderen Rennen über das
Wochenende) schlich sie sich mit ihrem X-Segel an Position eins vorbei.
Bei den drei Regatten, die am Samstagnachmittag ausgetragen wurden, war ein wichtiger
Unterhaltungsaspekt die Startlinie, die stärker zum Pin-Ende hin verschoben war als eine A-Linie.
Aufgrund dieser arg schrägen Startlinie versuchten die meisten Boote (der Start der Musto-Skiffs
fand gemeinsam mit den International 14 statt), am Pin auf Steuerbordbug zu starten. Bei einem
der Starts beschloss der lokale Musto-Skiff-Segler und Flottenbotschafter Dirk Rother, für
Abwechslung zu sorgen und spät auf Backbordbug zur Pin-Marke zu kommen. Dieser Schachzug
schnitt einige Boote ab und hätte beinahe zu einem „Bootsbauer-Benefiz-Event“ innerhalb der
dichten Gruppe der International-14er geführt, die auf Steuerbordbug die Linie überqueren wollten.
Trotz Gretas geschickter, wiederholter Leistungen beim Start war es Karsten Groth mit seinem
Legendenstatus und seiner langjährigen Erfahrung, der sich durchsetzen konnte und mit einem 1-
2-1 nach dem ersten Tag die besten Ergebnisse erzielte. Greta hatte es jedoch geschafft, sich zu
behaupten und den Sieg im zweiten Rennen zu holen, wodurch sie sich vor der abendlichen
Grillparty ein bemerkenswertes 2-1-2 sicherte.
Der Sonntag war ein ganz anderer Tag, an dem Temperaturen von über 30 °C erwartet wurden.
Aufgrund des Südwinds fanden die Regatten eher in der näher gelegenen, kleineren Travemünder
Bucht statt und nicht weiter draußen in der größeren Lübecker Bucht, wie es bei Westwind
üblicherweise der Fall gewesen wäre. Allerdings war der Wind noch schwächer und
unbeständiger als am Samstag, was zu einem ständigen Auf und Ab führte, bei dem jeder Segler
seinen Moment des (erhofften) Ruhms hatte, bevor sich die Gewinne wieder in Luft auflösten.
Roger Deuce hielt oft Kurs nach rechts, um von der Winddrehung um die Landzunge zu profitieren,
fand dann aber nie den nötigen Druck, um rechtzeitig wieder zur obersten Boje zu gelangen. Björn
Blom schien die gegenteilige Strategie auf der linken Seite zu bevorzugen, doch es war schwierig,
immer den richtigen Kurs zu finden, um im Winddruck zu bleiben. Im ersten Rennen am Sonntag
war Anian Pauli an der obersten Boje „all in“ gegangen, indem er seinen Spinnaker vor der
Ablauftonne hochzog, um seinen minimalen Vorsprung vor Roger zu verteidigen, doch dieser
mutige Schachzug endete prompt mit einer Kenterung. Leider bedeutete dieses Unterfangen das
vorzeitige Aus für seine Regatta, denn als Anian auf sein nagelneues (!!!) Schwert kletterte, um
sein Boot wieder aufzurichten, brach das Schwert prompt der Länge nach auseinander. Wir
können nur vermuten, dass infolgedessen nach der Veranstaltung oben in Tyneside das Telefon
geklingelt haben dürfte.
Im fünften Rennen behielt Björn die Nerven, fuhr eine solide Leistung und sicherte sich den
zweiten Platz. Es war jedoch der Lokalmatador Dirk, der mit den Platzierungen 1-3-2 am Sonntag
seine Position in der Gesamtwertung vom Vortag verteidigte und sich damit den dritten Platz in der
Gesamtwertung der Regatta sicherte.
Greta meisterte die schwierigen Bedingungen im letzten Rennen gekonnt und holte sich einen
weiteren Sieg. Dank einer sehr soliden Leistung auf dem Wasser sicherte sie sich den zweiten
Platz in der Gesamtwertung.
Herzlichen Glückwunsch an Karsten, der die Regatta nach einer 2-1-3-Platzierung am letzten Tag
gewann und es in diesem Jahr schaffte, die Veranstaltung sicher zu beenden, ohne von einem (auf
Steuerbordbug fahrenden) Katamaran durchstoßen zu werden.
Bei der Rückkehr zur Slipanlage freute sich die Flotte über die Unterstützung durch einen neuen
„Trolley-Dolly“ in Gestalt des örtlichen Musto-Skiff-Seglers Marius. Marius hatte sich
großzügigerweise entschlossen, seine „Buße“ dafür zu leisten, dass er aufgrund eines ungünstig
terminierten Familienurlaubs erneut bei der Regatta gefehlt hatte, indem er direkt zum Bootspark
fuhr, um der Musto-Skiff-Flotte beim Anlanden zu helfen, bevor er sich mit seiner Familie das
Gepäck aufpackte
Ein großes Dankeschön geht an das freundliche Team des Lübecker Yachtclubs für ein tolles
Wochenende auf dem Wasser und die Grillparty. Ein Dankeschön geht auch an Björns Frau für
den geschätzten Transportdienst auf der Slipanlage, auf der es aufgrund der vielen Katamarane
ziemlich eng werden konnte. Die Flotte hofft, dass die Teilnehmerzahl im nächsten Jahr wieder
steigen wird, wenn die Urlauber wie versprochen zurückkehren, um dieses unterhaltsame
Wochenende zu unterstützen, das in der offenen Bucht typischerweise von einer moderaten
Westbrise begleitet wird.
Gesamtergebnis:
| Platz | Segler |
|---|
| 1 | Karsten Groth |
| 2 | Greta Müller |
| 3 | Dirk Rother |
| 4 | Björn Blom |
| 5 | Roger Deuce |
| 6 | Anian Pauli |
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